|
Aufgaben:

Die Notfallseelsorge
hat sich primär die Aufgaben gestellt, Opfern, Hinterblieben und
Angehörigen nach traumatisierenden Ereignissen beizustehen und ggf.
professionelle Anschlusshilfen zu vermitteln.
Ziele der Notfallseelsorge sind vor allem:
-
Partner zu sein
für Menschen in Not, für die sich in der akuten Notfallsituation
keiner ´zuständig´ fühlt,
-
den Menschen dort
abzuholen und ihm beizustehen, wo er sich in seiner akuten seelischen
Not befindet,
-
Prävention
bzw. Vermeidung von Eskalationen und Dekompensationen durch Entspannung
krisenhafter Umstände,
-
Hilfe zur Entspannung
von Ausnahmesituationen.
Die Fragen, die uns beschäftigen, sind diese:
-
Wer kümmert
sich um die Eltern, wenn die kleine Tochter im Badesee ertrunken ist
und das Rettungsteam des Notarztwagens abrücken muss?
-
Wer steht dem körperlich
unverletzten LKW-Fahrer bei, dem ein Kind vor das Auto gelaufen ist
und nun schwerverletzt vom Notarzt versorgt werden muss?
-
Wer bleibt bei
dem fassungslosen 78-jährigen Mann, dessen Frau beim Abendbrot vollkommen
unerwartet zusammengesackt war und nicht mehr reanimiert werden konnte?
-
Wer überbringt
den Eltern eines 20-jährigen Motorradfahrers dessen Todesnachricht
nach einem schweren Verkehrsunfall?
-
Wer wartet bei
den beiden kleinen Kindern der alleinerziehenden Mutter, die mit dem
Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren wird, bis die verständigten
Angehörigen eingetroffen sind?
-
Wer begleitet die
Mutter und die Schwester des tödlich verunglückten Autofahrers
in die Leichenhalle, so dass diese Abschied nehmen können?
-
Wer steht der 38-jährigen
Frau bei, die nach dem Überschlag ihres Autos auf einer abgelegenen
Landstrasse bei strömendem Regen schluchzend in einem Polizeiwagen
sitzt und darauf wartet, irgendein Lebenszeichen von ihrem 8-monatigen
Sohn zu erfahren, der im Notarztwagen versorgt wird.
-
Wer erklärt
dem weinenden 45-jährigen Ehemann, dass seine geliebte Frau nie
wieder zu ihm zurückkommen wird, weil sie in den Flammen des Einfamilienhauses
verbrannt ist?
-
Wer tröstet
den jungen 24-jährigen Vater, der sich laut schreiend und vollkommen
aus der Fassung schreckliche Vorwürfe macht, weil er seine kleine
Tochter nur eine Sekunde aus den Augen gelassen hat, diese die Rolltreppe
im Supermarkt nach unten gestürzt ist und für die jede Hilfe
zu spät kam?
-
Wer nimmt sich
die Zeit, ein tröstendes Gebet in der Leichenhalle zu sprechen,
während die Freundin des tödlich verunglückten Motorradfahrers
dessen Hand ein letztes Mal hält?
-
Wer hat überhaupt im lebensrettenden
Treiben an der Unfallstelle Zeit, als ´Oase der Ruhe´ für
die Menschen zu dienen, die ohnmächtig mitten im Chaos des Notfalls
stehen und keinen Ansprechpartner finden?
-
Wer hat während
des Einsatzes auf der Autobahn Zeit, sich um den kleinen Jungen zu kümmern,
der weinend mit seinem Teddy im Arm am Straßenrand steht und darauf
warten muss, dass das Autowrack mit seinen Eltern geborgen wird?
-
Gibt es eigentlich jemanden, der sich um den Feuerwehrmann kümmert, der beim Löschen des Wohnhauses die verkohlte Leiche eines 3-jährigen Kindes gefunden hat und das Bild nicht mehr aus seinem Kopf bekommt?
-
Wer ist für den Polizeibeamten da, der seit seinem Einsatz auf der Autobahn nur noch mit Mühe einschlafen kann und nachts immer wieder hochschreckt, weil er nicht vergessen kann, was er gesehen hat?
-
Kümmert sich eigentlich irgendeiner um den jungen Auszubildenden, der nach der letzten erfolglosen Reanimation so still geworden ist und kaum noch lacht?
-
Was ist mit der 43-jährigen Rettungssanitäterin, die zwischen den Wrackteilen blass und verstört an der Mittelleitplanke kauert, weil sie dem toten Motorradfahrer den Helm vom völlig zerstörten Kopf abnehmen musste?
-
Und wer steht der jungen Notärztin bei, die alles Menschenmögliche getan und dennoch die 31-jährige Mutter von 2 Kindern in ihren Armen verloren hat, nachdem diese beim Fensterputzen von der Leiter gerutscht und in den Wohnzimmer-Glastisch gestürzt war?
 |